Kirschbäume werden im Kanton Zug nachweislich seit mindestens Mitte des 14. Jahrhunderts kultiviert. Ihre vitaminreichen Früchte dienten zunächst ausschliesslich dem Verzehr, wurden aber allmählich auch zu hochprozentigem Kirschwasser gebrannt: Dies spätestens ab dem frühen 17. Jahrhundert. Denn von 1626 stammt eine erste urkundliche Erwähnung dieses Handwerks, als ein Mathias Brandenberg vom Rat der Stadt Zug verwarnt wurde, weil er sich über ein Verbot des Brennens von «Kriesywasser» hinweggesetzt hatte. Zug feiert heuer sozusagen 400-Jahr-Jubiläum des Kirschbrennens – zumindest seit dem ersten schriftlichen Nachweis. Gewerblich Kirschwasser gebrannt wurde in Zug jedoch erst ab 1798, als die Gebrüder Bossard in der Altstadt ein Handelsgeschäft gründeten und Kirschwasser destillierten. Seit diesem Zeitpunkt bis heute haben in der Stadt Zug insgesamt 17 Brennereien an 25 Standorten existiert.
Eines der «Epizentren» des Zuger Kirschbrennens ab Ende des 19. Jahrhunderts war die grosse Remise an der heutigen Ägeristrasse 40 – direkt an der alten Stadtmauer –, wo sich von 1884 bis in die 1970er-Jahre drei unterschiedliche Brennereien unter einem Dach befanden. Die Remise ist das einzig erhaltene, historische Brennerei-Gebäude in der Stadt Zug. Bis Ende 2025 war hier das Brockehüsli Zug untergebracht.
Eine umfangreiche Sammlung ist entstanden
Das der Stadt Zug gehörende Gebäude soll nun umfassend renoviert und einer besonderen Bestimmung übergeben werden: Anlässlich der 400 Jahre seit Ersterwähnung des Kirschwasser-Brennens soll die Remise in ein «Kirsch-Depot» – eine Art kuratiertes Schaulager – umgewandelt werden. Der im November 2024 ins Leben gerufene Verein «Zuger Kirschwasser Gesellschaft» ist Schirmherr des Projekts. Das Gründertrio besteht aus dem Zuger Chriesiforscher Ueli Kleeb (Aktuar), der Chriesiaktivistin Caroline Lötscher (Kassierin) und Gabriel Galliker-Etter vom Zuger Brennereiunternehmen Etter Söhne AG. Letzterer präsidiert den Verein.
Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. «Sie stand bereits 2014 im Raum», sagt Ueli Kleeb dazu. «Seither ist sie kontinuierlich gewachsen.» Die Konkretisierung habe jedoch zahlreiche Hürden nehmen müssen. Die Stadt jedoch stellte ihnen provisorisch einen Teil der Remise zur Verfügung, um Material und Objekte einzulagern, welche die Geschichte des Kirschbrennens in Zug veranschaulichen. «Rund 200 grosse Objekte und eine Vielzahl kleinerer Exponate sind seither zusammengekommen», sagt Caroline Lötscher. «Zudem haben wir 11'000 Bilder und Akten gesammelt.»
Das «Kirsch-Depot» ist gewissermassen als Kompetenzzentrum für das Kirschwasser-Brennen gedacht, wo die Zuger Tradition und deren Geschichte im Rahmen von Führungen und Präsentationen hautnah erlebt werden kann. Hinsichtlich des Nutzungskonzepts soll das Depot nicht im Sinne eines Museums betrieben werden, sondern seine Türen nach Bedarf öffnen. Vor allem aber kann das «Kirsch-Depot» für Anlässe aller Art und als Vereinslokal gemietet werden und soll entsprechend über eine Infrastruktur zur Verpflegung von Gästen verfügen.
Denkmal für immaterielles Zuger Kulturgut
«Wir dürfen uns über eine breite Unterstützung für unser Vorhaben freuen», sagt Caroline Lötscher. Die identitätsstiftende Zuger Thematik ziehe viele Interessierte an. «Und weil das Kirschwasser-Brennen für den Kanton sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, haben wir einen Beitrag vom Bundesamt für Kultur erhalten.» Auch die Unterstützung seitens des Kantons ist dem Verein sicher. Hängig war noch ein Beitrag der Stadt zur Sanierung der Remise, dessen Beantragung mittlerweile vorliegt.
Für die bauliche Gesamterneuerung beantragt der Stadtrat beim Grossen Gemeinderat der Stadt Zug (GGR) einen Objektkredit von rund 3,5 Millionen Franken zur Ertüchtigung der Liegenschaft. Rund 70 Prozent davon sollen auf werterhaltende Massnahmen (2,43 Millionen Franken) entfallen, während rund 30 Prozent (1,05 Millionen Franken) für das Erstellen des Schaulagers dienen sollen. Parallel dazu beantragt der Stadtrat finanzielle Beiträge an den Verein «Zuger Kirschwasser Gesellschaft»: einmalig 100'000 Franken für den Aufbau der Sammlungsausstellung, einmalig 50'000 Franken für die Betriebsvorbereitungen sowie 134'000 Franken als wiederkehrender jährlicher Betriebsbeitrag von 2029 bis 2031.
Dazu werde dem GGR eine Subventionsvereinbarung vorgelegt, welche die Nutzung und den Betrieb des «Kirsch-Depots» regeln soll. Über den Objektkredit sowie über die weiteren Beiträge für den Verein wird der GGR an einer seiner nächsten Sitzungen befinden. Die nächste Sitzung findet am 28. April statt.
«Für uns ist das Ganze eine absolute Herzenssache», betonen Kleeb und Lötscher. Das «Kirsch-Depot» sei quasi ein abschliessender Beitrag für die Zuger «Kirschen-Renaissance», welche die beiden mit DNS-Transport, ihrer Agentur für Spezialprojekte, im Rahmen mehrerer Aktionen, Publikationen und Projekten mit viel Engagement und Einsatz über Jahre hinweg vorangetrieben haben. Diesem regionaltypischen Kulturgut setzten sie damit ein sichtbares Denkmal. «Und dass der Verein ‹Zuger Kirschwasser Gesellschaft› mit Gabriel Galliker-Etter von einem Vertreter des Gewerbes und somit von einem Botschafter präsidiert wird, war und ist uns wichtig.» Dem designierten Patronatskomitee indes steht Regierungsrätin Laura Dittli vor. «Sie sorgt für eine breite Abstützung in Politik und Gesellschaft.»
Sofern nun alles nach Plan verläuft und sich dem Projekt «Kirsch-Depot» nichts mehr in den Weg stellt, ist dessen Eröffnung per Ende 2028 vorgesehen.
Text- und Bildquelle: Bote 31.03.2026 Andreas Faessler / Andreas Bussinger & Archiv DNS-Transport



