Ernst Zuber AG Spezialitätenbrennerei, Arisdorf BL

Brenn/KunsT

Von Luca Huber

Die Mühle, die zur Obsthändlerin und schliesslich zur Brennerei wurde: Die Geschichte der Ernst Zuber AG in Arisdorf ist reichhaltig – und geprägt vom Pioniergeist zweier Schwestern. Und immer hielten sich zwei Dinge die Waage: die Qualität der Brände und der künstlerische Anspruch der Flaschen.


Zwei Schwestern, die eine Brennerei betreiben? Die eine als Geschäftsführerin, die andere als Brennmeisterin? Was selbst heute noch exotisch anmutet, war 1970, zwei Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in Baselland, geradezu eine Revolution. Die beiden Schwestern, das waren Rosmarie und Yvonne Zuber, heute 77 und 73 Jahre alt.

 

Vor einem halben Jahrhundert haben sie die Brennerei ihres Vaters übernommen, nach dem die Spezialitätenbrennerei auch heute noch benannt ist: Ernst Zuber. 1933 hatte er die Getreidemühle in Arisdorf gekauft, ein alter, angeschlagener Betrieb. Weil sich die arme Dorfbevölkerung das Mehl bisweilen kaum leisten konnte, akzeptierte der Müller nach und nach auch Obst als Bezahlung. Schliesslich galt Arisdorf damals als die Gemeinde mit der höchsten Obstbaumdichte der gesamten Schweiz.

 

So wurde aus der Mühle eine Obsthandlung – und aus der Obsthandlung eine Brennerei. Ernst Zuber belieferte die gesamte Schweiz mit ganzen Zugkompositionen voller Obst, mit Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler war er per Du. Mittlerweile hat sich die Brennerei zum wichtigsten Geschäftszweig des Familienunternehmens entwickelt. Das wird heute von rund 100 Landwirtschaftsbetrieben aus dem Baselbiet, dem Leimental und dem Fricktal mit Obst versorgt, 95 Prozent davon stammt von Hochstammbäumen.

 

Mit Rosmaries Sohn Andreas Gerber, 49, steht nunmehr die dritte Zuber-Generation an den Brennhäfen. Diese wurden übrigens erst 2018 ersetzt. Denn stetes Investieren sei für den langfristigen Erfolg unerlässlich, ist man bei Zuber überzeugt. Genauso wie Qualität, Geduld und fortwährende Innovation.

 

Kirsch aus der Kirschen-Hochburg

Arisdorf liegt mitten im Baselbiet, der Hochburg der Schweizer Kirschenproduktion. Jede zweite Kirsche im Land stammt aus der Region. Da verwundert es nicht, dass der Kirsch das ausgesprochene Steckenpferd der Brennerei ist. Gerber brennt neben dem Hausklassiker, dem «Baselbieter Mühle Kirsch», auch sortenreine Kirschdestillate wie den Dollenseppler oder den «Kirsch aus Sauerkirschen».


Letzterer wurde übrigens an der Spirituosen-Prämierung DistiSuisse zum besten Kirsch der Schweiz 2017/2018 gekürt – und Zuber zur Brennerei des Jahres. Im selben Jahr wurde ein weiterer Klassiker des Hauses Zuber mit Gold prämiert: das «Burgermeisterli». Der zweifach destillierte Kräuterbrand ist die Baselbieter Schnapsspezialität schlechthin – und Gerbers feinherbe Variante mit der eigenen Kräutermischung besonders als Digestiv beliebt, den er an Kunden in der ganzen Schweiz liefert.

 

Überhaupt hat Andreas Gerber eine Schwäche für Kräuter, derzeit ist es die Mazeration, die ihn fasziniert. Denn der Mann ist ein Tüftler, der sich stets weiterbildet, neue Gebiete erkundet und auch das Herz am rechten Fleck hat. Während der Corona-Pandemie versorgte er den Kantonalen Krisenstab mit Tausenden Litern Ethanol und seine Kundschaft mit Desinfektionsmittel.

 

Spruchreif in Sachen neuer Produkte sei noch nichts, wiegelt er zwar lächelnd ab. Ideen aber hat er zuhauf, gerade was bittere Geschmacksrichtungen angehe, die derzeit im Aufwind seien. Aus dieser innovativen Herangehensweise gingen schon der Kirsch aus Sauerkirschen oder kürzlich der erste eigene Gin hervor. Und daraus würden in naher Zukunft weitere Spezialitäten hervorgehen, verspricht der Brennmeister.

 

Den Grossteil seiner Spirituosen – den Crème de Kirsch, den Himbeergeist, den Gin oder die Bühlerzwetschge –, bringt das Unternehmen im Direktverkauf an ihre Kunden, der Laden mit der gemütlichen Probierstube unter dem steinernen Gewölbedach hat täglich geöffnet. Auch Bäckereien sind wichtige Abnehmer. «Nun arbeiten wir verstärkt daran, mehr in die Gastronomie zu kommen», erklärt der Brennmeister.

 

Der Schritt ist nachvollziehbar, schliesslich ist er einer der wenigen Edelbrandsommeliers der Schweiz und erstes Mitglied des Vereins deutscher Edelbrandsommeliers mit ausländischem Pass. Dieser Austausch gerade auch über die Landesgrenzen hinaus – Arisdorf liegt praktisch an der Grenze zu Baden-Württemberg – sei besonders wertvoll, gibt Andreas Gerber zu bedenken. Machten die Zuber-Schwestern vor einem halben Jahrhundert mit der schieren Tatsache Furore, als Frauen eine ausgesprochene Männerdomäne aufzumischen, so wären die Zuber-Brände ohne einen weiteren Aspekt beinah undenkbar: die Kunst Rosmarie Zubers. Die Stillleben der ehemaligen Geschäftsführerin zieren nämlich zahlreiche Etiketten, die Kirschen, Birnen und Äpfel entstammen ihrem Pinselstrich. 

 

Rosmarie Zuber hätte einst sogar gerne eine Laufbahn als Künstlerin eingeschlagen. Und irgendwie tat sie das ja auch. Denn ihre Bilder hängen in zahllosen Wohnzimmern, sie stellt regelmässig aus, und ihre Aquarelle gehören auf die Zuber-Etiketten wie die Kirschen zum Baselbiet. Und dann sind da ja auch noch die Schmuckflaschen, die sich als Geschenk einen ganz besonderen Namen gemacht haben. Jede ist ein Unikat.